Über das Projekt

Das Naturschutzprojekt „Kuvaszok und Großraubtiere“ (nachstehend Projekt) startete 2007. Es wurde über mehrere Jahre hinweg in drei Ländern durch intensive Gebietsforschung und Datenerfassung vorbereitet. Wir sind bestrebt, neben der Verwirklichung der zwei großen Zielsetzungen des Projektes parallel an zahlreichen verwandten Sachgebieten zu arbeiten. Die zwei wichtigen Zielsetzungen sind: Die optimale Bekanntmachung und Präsentierung des Kuvasz als ungarischer Wach- und Herdenschutzhund - sowohl in Ungarn als auch im Ausland -, sowie die aktive Unterstützung der im Karpatenbecken beheimateten Großraubtiere (Wölfe, Bären, Luchse).

Weitere Ziele:

  • Bewahrung der inneren ausschlaggebenden Eigenschaften und Fähigkeiten der Kuvaszok in ihrem ursprünglichen Arbeitsumfeld (Bewachung der Weidetiere) durch Generhaltung
  • Datenerfassung zur Anpassungsfähigkeit der Kuvaszok in der extensiven Weidetierhaltung, sowie zu ihrer Entwicklung, Fortpflanzung und Herdenschutzarbeit
  • Detaillierte Erforschung des Verhältnisses der Kuvaszok und anderer eingesetzten Herdenschutzhunderassen und -Typen zu Großraubtieren. Besseres Verständnis der zwischen ihnen entstandenen Wechselwirkungen und bestehenden Beziehungen.
  • Vergleichende Analysen der Arbeitsweisen von Kuvaszok zu anderen arbeitenden Herdenschutzhunderassen
  • Sammeln von Informationen über den Einsatz der Kuvaszok zu Jagdzwecken (Hetzjagd) in Vergangenheit und Gegenwart
  • Untersuchung der subjektiven und objektiven Abneigung von Tierhaltern gegen Großraubtiere und Versuch, diese Abneigung abzubauen
  • Eingliederung der Nachzucht der im Projekt eingesetzten Kuvaszok an neuere Untersuchungsstandorte zur Bestandsvergrößerung der arbeitenden Exemplare
  • Veröffentlichung der im Projekt erfassten Daten und Erfahrungen in Form von Publikationen und Vorträgen
  • Sammlung von Informationen über Hirtenkulturen und Traditionen im Karpatenbecken zur Erhaltung des kulturellen und ethnografischen Erbes in Ungarn und außerhalb der Grenzen

Kuvasz und des Großraubtierschutz

Die Erweiterung des systematischen Naturschutzes bewirkte eine grundlegende Änderung der Lebensumstände der Großraubtiere. Vor nicht allzu langer Zeit wurden sie noch mit Feuer und Schwert verfolgt, heute werden sie als besonders schützenswerter Naturschatz betrachtet, deren Fortbestehen gesichert werden muss.

Schon seit Jahrtausenden setzten die Hirten Hunde zum Schutz ihrer Nutztierherden ein. Die anhaltende Ausrottung der Beutegreifer ließ den Bedarf an Herdenschutzhunden in der Vergangenheit jedoch stark zurückgehen. Jetzt besinnt man sich wieder auf die Vorteile, die der Einsatz von Herdenschutzhunden bei der Arterhaltung der Großraubtiere bringt.

Ihr Einsatz mindert die Schäden am Nutzvieh und trägt so dazu bei, die Vernichtung der Großraubtiere zu stoppen und  ihre Akzeptanz als unverzichtbarer Bestandteil des ökologischen Gleichgewichtes zu erhöhen.

Zahlreiche ungarische und internationale Projekte wurden weltweit mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Schutz von Bären, Wölfen und Luchsen aktiv zu fördern, und diesen Arten eine Chance zu bieten, ein Stück ihres verlorenen Lebensraumes zurück zu gewinnen.

Durch den Einsatz der Herdenschutzhunde können solche Projekte realisiert werden, ohne dass die Interessen der Nutzviehalter beeinträchtigt werden.



Abb. 1:  Die Schadensvorbeugung fördert aktiv die Zurückdrängung der illegalen Vernichtung der geschützten Großraubtiere. (Illustration)

Die Herdenschutzhunde können unter diesen Arbeitsbedingungen und in direkter Wechselwirkung mit den Raubtieren tatsächlich ihre Fähigkeiten und urtümliche Werte, die sie einst bei ihrer Entstehung zu Hirtenhunde machten, langfristig nutzen und aufrechterhalten.

Nicht zuletzt spielt noch der Aspekt eine Rolle, dass der Einsatz von Herdenschutzhunden auch für den Naturschutz  am besten geeignet ist. In vielen Fällen erfolgt die landwirtschaftliche Nutzung in ausgewiesenen Naturschutzgebieten,  also im eigentlichen Lebensraum von geschützten Großraubtierrassen in denen technische Abwehrmaßnahmen nicht greifen.  


Abb. 2: Landschaftserhaltung mit Weidehaltung im selben Lebensraum, in dem Großraubtiere leben. Slowakischer Karst Nationalpark, Slowakei.

Aktive Standorte des Projekts

Weidende Haustierherden waren  einst für viele Menschen die einzige Existenzgrundlage.

Der im Karpatenbecken weit verbreitete Kuvasz beschützte als unentbehrlicher Helfer der Hirten diese Nutzviehherden vor Wölfen, Bären und Dieben.

Heutzutage existieren jedoch die traditionellen Voraussetzungen der Ausbildung und Arbeitsweise der Kuvaszok auf vielen Gebieten nicht mehr, bzw. haben sie sich stark verändert, daher findet die Rasse in Ungarn seit etlichen Jahrzehnten keine ursprüngliche Anwendung mehr. Die einzelnen Exemplare der in Ungarn heimischen Großraubtiere, wie Wölfe und Luchse, bilden eine Randpopulation bzw. sie sind nur saisonal auf bestimmten Gebieten präsent. Die Methoden und auch die Größenordnung der Tierhaltung wandelten sich durch die Jahre wesentlich, das Verhältnis der Weidentierhaltung hat an Bedeutung verloren (diese Sparte nimmt im Allgemeinen innerhalb der Volkswirtschaft ab). Es leuchtet also ein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die ungarischen Nutzviehhalter unter den aktuellen Gegebenheiten eventuell auf Großraubtiere treffen, relativ gering ist. Da aufgrund der Gegebenheiten Ungarns die Möglichkeit nicht besteht, in einem solchen Projekt Wachhunde einzusetzen, müssen grenzübergreifende potenzielle traditionelle Lebensräume der Kuvaszok erforscht werden.


Abb. 3: Forschungsort Siebenbürgen, Rumänien 

Aufgrund der regelmäßigen örtlichen Datensammlung und der vorherigen Informationen erwiesen sich die Slowakei und Rumänien als geeignete Standorte zum Starten des Naturschutzprojekts. Bei der Entscheidung spielten die unterschiedlichen aber auch gemeinsam vorhandenen wesentlichen Gegebenheiten der Gebiete eine wichtige Rolle: ein stabiler Großraubtierbestand, (welcher im Fall der Slowakei eng mit der ungarischen Population zusammenhängt), das Vorhandensein der Weidetierhaltung, die Tradition und Kenntnisse der Anwendung großwüchsiger Hirtenhunde, Beseitigung der Sprachschwierigkeiten, persönliche Beziehungen, das Vorhandensein von Erfahrungen.

Forschungsmethoden

  • Regelmäßige, durchschnittlich alle 3 Monate stattfindende Erkundung des Geländes an den jeweiligen Standorten, verbunden mit Datenerfassung. Erstellung von Fotos, Video- und Audioaufnahmen.
  • Sammlung von Informationen über die Lebensverhältnisse, Fortpflanzung, Entwicklung, Arbeitsweise, Verhalten bei Raubtierkontakt, etc. der arbeitenden Kuvaszok
  • Datensammlung über die aktuelle Situation und Lebensverhältnisse der auf den jeweiligen Gebieten lebenden Großraubtiere und ihrer Bestände.
  • Geländeforschung nach auffindbaren Lebenszeichen und Existenz von Großraubtieren.
  • Kontaktpflege und Informationsaustausch mit den für die Jagd zuständigen Fachleuten in diesen Regionen.

Weiterführende Zeitungsartikel (Links):
Übersetzung: www.ungarisch-frankfurt.de