Kuvaszok im Projekt

Auslagerungen

Nach der Verfahrensweise des Projektes werden die von den Züchtern angebotenen Kuvaszok als Welpen auf Standorte ausgelagert, welche die oben beschriebenen Voraussetzungen am besten erfüllen. Derzeit behüten unsere Kuvaszok Schafe und Ziegen, es sind aber Auslagerungen geplant, auch Rinder zu behüten.

Die ersten zwei Hunde sind im Februar 2007 in die Slowakei gekommen, gefolgt von den ersten zwei Exemplaren nach Siebenbürgen (Rumänien). Seitdem bemühen wir uns, im Rahmen unserer Möglichkeiten, die Anzahl des Bestandes, welcher in das ursprüngliche Aufgabengebiet versetzt werden soll, um weitere Exemplare zu erweitern. Unsere Kuvaszok wurden aus 11 verschiedenen Zuchtstätten aus 4 Ländern angeboten: aus Ungarn, aus Serbien, aus der Slowakei und aus Siebenbürgen. Unsere Sponsoren stellten uns die Welpen in all diesen Fällen ohne jegliche Gegenleistung zur Verfügung, um die Zielsetzungen des Projektes langfristig realisieren zu können. Erfreulicherweise gibt es mehrere Zuchtstätten, die mehr als einmal einen Welpen angeboten haben, wie z.B. die „Bácskai Betyár Kennel“ aus der Vojvodina /Serbien/ (4 Hunde). Neben den Hunden, die von den Züchtern stammen, konnten wir im September 2008 bereits zwei Welpen aus den Würfen der Projekthunde einsetzen.

Anlernen, Erfahrungen sammeln

Neben der entsprechenden genetischen Grundlage ist das lebenslange Lernen ein Schlüsselfaktor, damit aus den ausgelagerten Welpen gut arbeitende Herdenschutzhunde werden. Als erster Schritt werden die Herdenschutzhunde an das später von ihnen zu behütende Nutzvieh gewöhnt (Schafe, Rinder). Ein wichtiger Faktor ist, dass sich die großwüchsigen Herdenschutzhunde bereits im Alter von 8-12 Wochen beim Nutzvieh aufhalten, diese Zeit ist nämlich die optimale Gewöhnungsphase. In diesem Zeitabschnitt kann die Bindung hergestellt werden, die die spätere erfolgreiche Hütearbeit der Herdenschutzhunde und seine Zusammenarbeit mit anderen Tierarten für den Schutz der Haustiere grundlegend prägt. Dieses Phänomen wird durch empirische Erkennung von den Schäfern in der Erziehung der für die Hütearbeit geplanten Hunden seit vielen Jahrtausenden zweckmäßig und konsequent genutzt.


Abb. 10  Sozialisierung des 3 Monate alten Rüden mit den zu behütenden Tieren, Siebenbürgen

Beim Anlernen der Welpen neben dem Vieh sind die wichtigsten Faktoren die Nachahmung  des Verhaltens der erwachsenen Hunde aus dem Rudel, danach kommen die individuellen Erfahrungen. Der erzieherische Eingriff der Hirten ist gering und setzt das Verbot der ausgesprochen schädlichen Verhaltensmuster in den Mittelpunkt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die arbeitende Einheit der großwüchsigen Herdenschutzhunde das Rudel ist (in der Regel 3-8 Exemplare). Dementsprechend müssen die individuellen Fähigkeiten, die Erfahrungen und die auf der Alm permanent erlernten Lebenslektionen mit hoher Kooperationsbereitschaft einhergehen. Der Wert eines Hundes ist davon abhängig, wie er mit den Rudelmitgliedern bei der gemeinsamen Lösung der alltäglichen Problemen zusammenarbeiten kann und will. Daher ist für die Hunde, die im ursprünglichen Aufgabengebiet eingesetzt werden, grundsätzlich notwendig, neben der Kraft und Beharrlichkeit auch eine hohe Intelligenz zu haben.

Abb. 11  Kuvaszrudel neben der Herde auf der Alm, Siebenbürgen

Hütearbeit

Großen Einfluss auf die jeweilige Effektivität der Bewachungsarbeit des oben erwähnten Rudels haben Anzahl, Teameigenschaften, Alterszusammensetzung; Fütterung und die Erfahrung der einzelnen Individuen. In Siebenbürgen werden mehrere Welpen als Welpen-Rudel, in der Slowakei dagegen Welpen-Paare eingesetzt. Der Unterschied ergibt sich aus den abweichenden Hirtentraditionen der Regionen, aus der Größe des Raubtierbestandes und aus den gesetzlichen Regelungen. Auf dem Gemer-Torna Karst ist es eine Seltenheit, wenn einmal ein streunender Braunbär vorbeiirrt, auf den siebenbürgischen Standorten gilt er aber als ein tagtäglich vorkommendes Raubtier. In der Slowakei betreibt der staatliche Naturschutz für die Entschädigung der von den Angriffen der Raubtiere geschädigten Bauern ein effektives Kompensationssystem, in Rumänien ist dieses System jedoch weniger funktionsfähig und außerordentlich umständlich, etc.


Abb. 12  Kuvaszrüde begleitet die Herde, Slowakei

Der ereignisreichste Tagesabschnitt im Leben der Kuvaszok und der mitarbeitenden ortsansässigen Hirtenhunde ist die Nacht, insbesondere, wenn sie auch mit schlechten Wetterbedingungen einhergeht, da die Raubtiere unter diesen Verhältnissen besonders aktiv sind. In beiden Ländern kommen jedoch auf unseren Beobachtungsgebieten auch Angriffe am helllichten Tag während des Weidens vor. Der Anfang und das Ende der Weidesaison haben in der Regel eine wichtige Bedeutung für das Angriffsverhalten der regional beheimateten Raubtiere, insbesondere der Wölfe.

Es ist nicht ausschließlich die Aufgabe der Hunde, die Haustiere zu behüten, sie müssen diese Aufgabe jederzeit in einer Einheit mit dem Menschen verrichten, um höchste Effektivität zu erreichen. Sie können die schweren und komplexen Herausforderungen, die ihre Fertigkeiten und Kraft ständig auf die Probe stellen, nur meistern, wenn sie ihre Fähigkeiten gegenseitig ergänzen und unterstützen.

Können die Hunde bei den Großraubtierangriffen in vereinzelten Fällen nicht auf die Anwesenheit und Unterstützung der Menschen zählen, kann ihre Schutzeffektivität stark nachlassen.


Abb. 13  Die Grundlage der effektiven Zusammenarbeit ist das Vertrauen. Der Schäfer mit dem 8,5 Monate alten Kuvasz.

Die Aufgabe der Herdenschutzhunde ist keineswegs die Tötung sondern die Fernhaltung der Wölfe von den Haustieren, und bei Gefahr die Alarmierung der Schäfer. Der Kern der Schutzmethode der Hunde liegt in der Vorbeugung, sie schaffen eine Pufferzone zwischen der potenziellen Beute und dem Großraubtier. Aufgrund ihrer Kraft, ihrer Ausdauer und ihres Trainings verändern und erweitern sie diese Pufferzonen ständig.

Konfrontation mit Großraubtieren

Derzeit verfügen wir bei den ausgelagerten Kuvaszok erst über wenige Daten auf diesem Gebiet, zum Teil, weil ein Großteil unseres Bestandes noch Junghunde oder Welpen sind. Viele unter ihnen sind aber schon Bären und Wölfen begegnet, wenn diese die Herde angegriffen haben. In Zusammenarbeit mit den erfahrenen Herdenschutzhunden haben sie je nach ihren Fähigkeiten dazu beigetragen, die Schäden abzuwehren. Einige Rüden bewiesen trotz ihres Alters erstaunlichen Mut und Hartnäckigkeit bei diesen gefährlichen Aktionen.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Herdenschutzhunde im Alter von ca. 2 Jahren auswachsen und erst dann fähig sind, ihre Aufgabe vollwertig zu verrichten. Ein Leben lang sammeln sie Erfahrungen und trainieren ihre Fähigkeiten.


Abb. 14 Kuvaszwelpe und ein betagter Herdenschutzhund, von dem es sich zu lernen lohnt, Siebenbürgen

In manchen Fällen suchten die Wölfe ihr Opfer gezielt unter den Herdenschutzhunden. Ihre Versuche scheiterten jedoch an der schnellen Intervention des Schäfers oder der anderen Hunde. Als Schutz gegen die Wölfe werden an manchen Standorten die Chancen der vierbeinigen Bewacher bei einem möglichen Angriff durch das Anlegen von Stachelhalsbändern erhöht. Bei Bärenangriffen sind diese jedoch völlig nutzlos und haben keine besondere funktionale Bedeutung.

Vermehrung

Für die Aufrechterhaltung des Projektes ist es wichtig, dass ein Teil der Nachkommen der teilnehmenden und aktiv arbeitenden Kuvaszok wieder auf Beobachtungsstandorte ausgesetzt werden, um den arbeitenden Bestand zu erweitern.

Der erste Wurf im ursprünglichen Aufgabenbereich fiel am 24.07.2008 in der Slowakei. Das sind die ersten ausgelagerten Kuvaszok im Projekt: die Welpen von Betyár und Tisza. (5 Hündinnen und 4 Rüden) Sie wurden bis zu einem Alter von 8 Wochen auf der Alm groß gezogen, wo die Elterntiere über Tausend Schafe behütet haben. Die Welpen haben unsere Beobachtungsergebnisse durch ihr Verhalten um zahlreiche interessante und wichtige Erfahrungen bereichert.


Abb. 15  Welpen mit 6 Wochen auf der Alm, Slowakei

5 von ihnen wurden im ursprünglichen Aufgabenbereich eingesetzt. Ähnlich wie ihre Eltern, bewachen sie Schafe. 3 wurden in der Slowakei, 2 in Siebenbürgen aufgenommen, letztere im Rahmen unseres Projektes. Die weit gereisten zwei Welpen Gömör /Gemer/ (Rüde) und Szilice /Silica/ (Hündin) bekamen ihren Namen nach ihrem Herkunftsort. Wir hoffen, dass ihr Leben und Verhalten uns weiterhin wichtige Erkenntnisse gibt, damit wir den Kuvasz unter seinen einstigen Herkunfts- und Arbeitsbedingungen besser kennen lernen können.

Gesetze und Vorschriften über Herdenhüter nach Ländern

Rumänien

Jagdgesetz Nummer 103/1996, Ergänzungen 654/2001 und 103/2002

Das Gesetz regelt die Schadensregulierung

Regierungsverordnung Nummer 748/2002

Schutzvorschriften, die erfüllt werden müssen, um die Schäden für die Besitzer der Haustiere vorzubeugen

Slowakei


Ungarn

keine

 

Text: Ferenc Puskás

 


 

Weiterführende Zeitungsartikel:

Übersetzung: www.ungarisch-frankfurt.de